Es gibt Tage, da frage ich mich, ob Deutschland wirklich ein Land ist – oder ein gigantisches Brettspiel, bei dem niemand mehr die Regeln versteht, aber alle so tun, als wäre das normal.

Ein Land, in dem man für jeden Atemzug ein Formular braucht, für jede Entscheidung eine Richtlinie und für jede Unsicherheit einen Versicherungsbaustein.

Ein Land, das uns ständig erklärt, wir seien ohne Experten, Paragrafen und Schulungen völlig hilflos – und wir glauben es irgendwann sogar.

Ich habe lange zugeschaut, wie dieses System funktioniert.

Wie es Menschen klein macht.

Wie es Angst verkauft.

Wie es uns einredet, wir seien unorganisierte Hinterwälder, die ohne farblich sortierte Lappen, 47 Formulare und drei Stempel nicht lebensfähig wären.

Und irgendwann habe ich gemerkt:

Das Problem sind nicht die Menschen.

Das Problem ist das System.

Also habe ich angefangen, die Absurditäten zu sammeln.

Die echten Geschichten.

Die Momente, in denen selbst ein Fünfjähriger sagen würde:

„Das darf doch nicht wahr sein.“

Dieser Beitrag ist kein Rant.

Er ist eine Bestandsaufnahme.

Eine humorvolle, sarkastische, aber sehr ehrliche Reise durch ein Land, das sich selbst im Weg steht – und uns gleich mit.

Und vielleicht, ganz vielleicht, erkennst du dich an der einen oder anderen Stelle wieder.

Dann weißt du:

Du bist nicht das Problem.

Du bist nur in Deutschland.

Wie konnte das bloß passieren?

Deutschland ist das einzige Land, in dem man für alles ein Gesetz hat –

außer für gesunden Menschenverstand.


Wir haben Formulare für Formulare.

Regeln, die erklären, wie man Regeln richtig anwendet.

Und wenn etwas schiefgeht, fragt niemand:

„Wer hat das verbockt?“

Sondern:

„Welches Formular fehlt?“


Und dann wundert man sich ernsthaft:

„Wie konnte das bloß passieren?“


Ganz einfach:

Weil wir ein System gebaut haben, das so kompliziert ist, dass selbst ein Fünfjähriger, der nicht lesen kann, davorsteht und sagt:

„Das ist kaputt. Warum repariert das keiner?“


Öffentliche Ausschreibungen – früher Jackpot, heute Fluchtreflex

Es gab mal eine Zeit, da haben sich Handwerker um öffentliche Aufträge geprügelt.

Nicht, weil alles so fair war, sondern weil es:

sicheres Geld war

verlässlich bezahlt wurde

und man nur hoffen musste, dass der Mensch in der Behörde, der den Schlüssel zur Kasse hatte,

nicht gerade krank, im Urlaub oder den Schlüssel verlegt hatte

– und natürlich alle Häkchen richtig gesetzt waren.


Heute?

Heute rennen die Handwerker weg, sobald „öffentliche Ausschreibung“ nur im Raum steht.

Warum?

Vielleicht, weil man inzwischen:

47 Formulare ausfüllen muss

19 Nachweise beibringen muss

8 Gesetze beachten muss

3 EU‑Richtlinien interpretieren muss

und am Ende trotzdem gesagt bekommt:

„Da fehlt noch ein Blatt.“

Währenddessen steigen die Materialpreise so schnell, dass der Unternehmer beim Baubeginn eigentlich schon ehrenamtlich arbeitet.

Wenn er denn überhaupt der günstigste Anbieter war – denn in Deutschland gilt traditionell:

Preis vor Qualität.

Das ist kein Prinzip.

Das ist Folklore.


Und das „Taschengeld“?

Das gibt’s immer noch.

Nur eben in anderer Währung:

Zertifikate, Nachweise, Gebühren, Registrierungen.

Gleicher Effekt, andere Verpackung.


HACCP – das Bonuslevel der deutschen Bürokratie

Und dann gibt es noch HACCP.

Ein System, das eigentlich dafür gedacht war, Lebensmittel sicher zu machen.

Klingt sinnvoll.

Bis Deutschland daraus ein pädagogisches Farb-Lappen-Memory gemacht hat.

Du kannst 20 Jahre ein Lebensmittelgeschäft geführt haben.

Du kannst im LEH gearbeitet haben.

Du kannst wissen, wie man sauber arbeitet.

Egal.

Du musst trotzdem zu einer Schulung, die natürlich eine Gebühr kostet.

Dann sitzt du da zwei Stunden und hörst Dinge wie:

„Bitte dokumentieren Sie, wann Sie die Aufschnittmaschine sauber gemacht haben.“

„Welcher Lappen? Rot, blau, grün?“

„Und wofür war noch mal der gelbe?“

Früher hat man geputzt, weil es sauber sein sollte.

Und zwar dann, wenn etwas schmutzig war.

Heute steht auf der Liste:

„Dienstag: Aufschnittmaschine reinigen.“

Wenn sie Montag dreckig ist – Pech.

Falscher Tag.

Falscher Lappen.

Falsche Farbe.

Und wenn du es gerade abgehakt hast und dann läuft was aus?

Tja.

Hast du ja schon gemacht.

Theoretisch sauber.

Praktisch klebt’s.

Aber der Lappen ist in der Wäsche.


Der Fünfjährige würde sagen:

„Mach doch einfach sauber.“

Aber der hat ja auch noch keine Schulung.


Versicherungsvertreter – die Verkäufer der Angst

Und jetzt kommt der Punkt, an dem sich alles verbindet:

Was haben Versicherungsvertreter mit deutschen Gesetzen zu tun?


Ganz einfach:

Beide behandeln uns, als wären wir ein Haufen unorganisierter Hinterwälder.

Oder in meinem Fall:

Westerwälder.


Die Logik dahinter:

Wenn man Menschen nur genug einpfercht, verwirrt, überfordert und mit Paragrafen bewirft,

dann glauben sie irgendwann selbst, dass sie nichts können.

Dass sie Opfer sind.

Dass sie ohne Experten, Anwälte, Zusatzbausteine und Premium‑Luxus‑Versicherungen verloren wären.


Und genau da kommen die Versicherungsvertreter ins Spiel.


Sie verkaufen keine Produkte.

Sie verkaufen Angst.

Und zwar in Premiumqualität.


Erst wird das Luxuspaket präsentiert.

Natürlich.

Der Kunde soll ja das Beste bekommen.

Auch wenn er es nicht bezahlen kann.

Auch wenn er es nicht braucht.

Auch wenn er nach zehn Minuten denkt:

„Ich wollte doch nur eine Haftpflicht… warum sitze ich hier im Weltuntergangsseminar?“


Dann kommt der große Moment:

Rechtsschutz mit Vorsorgedokumenten vom Anwalt.

800 € Wert!

Ganz wichtig!

Gerade für Menschen, die wenig verdienen!


Ja.

Weil jemand, der wenig verdient, unbedingt eine Versicherung braucht, die ihm etwas bezahlt,

was er selbst kostenlos erledigen könnte.


Und dann kommt FRAU A. ins Spiel.

Und plötzlich bricht das Kartenhaus zusammen.

Denn FRAU A. sagt:


„Ja, es ist wichtig.

Aber du brauchst keinen Anwalt.

Du brauchst deinen Kopf, die richtigen Formulare und 30 Minuten Ruhe.

Und wenn sich etwas ändert, machst du es einfach neu – kostenlos.“


Und plötzlich merkt der Kunde:

Er ist nicht hilflos.

Er ist nicht dumm.

Er ist nicht Opfer.

Er ist einfach nur falsch beraten worden.


Und der Versicherungsvertreter?

Der steht dann bei der Jahresabschlussfeier nicht mehr auf dem Siegertreppchen.

Doof, wenn FRAU A. im Spiel ist.



Papierloses Büro – der deutsche Endgegner

Ich versuche ein papierloses Büro zu führen.

Ich gebe mir Mühe.

Ich bin modern.

Ich bin digital.

Ich bin organisiert.


Aber ich lebe in Deutschland.


Und Deutschland liebt Papier mehr als Sauerstoff.


Finanzamt?

Behörden?

Krankenkassen?

DRV?


Alle haben Onlineportale.

Alle haben digitale Akten.

Alle haben moderne Systeme.


Und trotzdem schicken sie Briefe raus, als wären wir im Jahr 1974.

Und wie läuft das?

Ein Mitarbeiter schreibt digital einen Brief.

Der Brief wird an einen Hauptdrucker geschickt.

Dort wird er ausgedruckt.

Dann faltet ein Mensch den Brief.

Dann steckt ein Mensch ihn in einen Umschlag.

Dann frankiert ein Mensch ihn.

Dann geht er zur Post.

Dann kommt er zu mir.

Dann packe ich ihn aus.

Dann lese ich ihn.

Dann stelle ich fest:


Nach vier Wochen habe ich als Single eine ganze Tüte voll Altpapier.

Für nichts.

Für niemanden.

Für die Tonne.


Der Fünfjährige würde sagen:

„Das darf doch nicht wahr sein.“

Oder er würde einfach die Rückseiten zum Malen benutzen.


Und dann wundert man sich…


Wir haben Gesetze, die niemand versteht.

Formulare, die niemand braucht.

Abläufe, die niemand kontrolliert.

Versicherungen, die Angst verkaufen.

Behörden, die Papier produzieren wie Druckereien.

Und Systeme, die Menschen klein machen, statt sie zu stärken.


Und wenn dann etwas schiefgeht, tut man überrascht –

als wäre es ein Naturereignis

und nicht das Ergebnis von 40 Jahren Papierstau, Angstmarketing und Lappenlogistik.


Aber hey:

Hauptsache, es gibt ein Gesetz dafür.


Und wenn du magst können wir uns darüber austauschen. Wo? In meiner Facebook Gruppe: https://www.facebook.com/groups/diewahrheitstheke

Aber bei Fragen darfst du mir auch eine E-Mail an: postfrauaschreibt.de senden