„Jeder Mensch hat eine Mutter. Und sie ist eine Frau.“

Ein Satz aus meinem Buch DER TANZ DER MUTTERLIEBE.

So banal, dass man ihn fast überliest.
So selbstverständlich, dass man ihn nicht ernst nimmt.
Bis man merkt, dass hinter diesem Satz ein ganzes Leben steckt — und ein ziemlich großes Missverständnis.

Denn ja:
Wir werden als Mädchen von einer Frau geboren. (Sorry-Jungens na klar auch)
Diese Frau war auch einmal ein Mädchen, wurde dann zur Frau und irgendwann zur Mutter.
Und ab diesem Moment passiert etwas Merkwürdiges:
Sie wird nicht mehr als Frau gesehen.
Nicht von der Gesellschaft.
Nicht vom Partner.
Nicht von den Kindern.
Und irgendwann — nicht einmal mehr von sich selbst.

Mütter tragen doppelt: Kinder und Job.
Manchmal dreifach: Haushalt.
Manchmal vierfach: Partnerschaftsrettung.
Und manchmal fünffach: den Versuch, sich selbst nicht komplett zu verlieren.
Und irgendwo dazwischen soll sie bitte noch lächeln, funktionieren, attraktiv bleiben, verständnisvoll sein und emotional stabil.

Aber in all diesen Jahren vom Mädchen zur Frau war sie eben eine Frau.
Mit einem Körper, der mehr kann als stillen.
Mit einer Seele, die mehr braucht als Schlaf.
Mit Träumen, die nicht nur aus Brotdosen und Kita‑Zetteln bestehen.

Und genau das vergessen alle.
Sie selbst zuerst.
Dann das Umfeld.
Und ja — besonders die Männer.
Vor allem der Vater des Kindes, das diese Frau geboren hat.
Denn plötzlich muss er sie teilen.
Mit dem Kind.
Mit der Verantwortung.
Mit der Realität.
Und das mögen viele Männer nicht.
Also nennen sie sie „Mutti“.
Als wäre das ein Upgrade.

Die Bürohengste und die Handy‑Wortkönige

Und während sie versucht, Mutter, Job und Mann gerecht zu verteilen, passiert auf der anderen Seite etwas ganz anderes:

Der Mann wird plötzlich zum Handy‑Wortkönig.
Du weißt schon — diese Spezies, die es nicht nur im Westerwald gibt.
Männer, die glauben, sie wären unwiderstehlich, weil sie drei Wörter tippen können:

„Hi. Wie geht’s.“

Mehr Mut haben sie nicht.
Mehr Worte auch nicht.
Und mehr Substanz sowieso nicht.

Diese Drei‑Wort‑Helden schreiben dann an Frauen, die noch keine Mutti sind.
Frauen, die noch glauben, dass Liebe bedeutet, sich hübsch zu machen und nicht müde zu sein.
Frauen, die noch frisch sind, ungenutzt, ungebrochen —
und die noch nicht wissen, dass „Mutti“ kein Kosenamen ist, sondern ein Karriereende.

Und warum schreiben sie diesen Frauen?
Weil sie Angst haben, an eine echte Frau zu geraten.
Eine Frau Ü50, die weiß, was sie will.
Und noch viel schlimmer:
Eine, die weiß, was sie nicht mehr mitmacht.

Also flüchten sie sich in ihre kleine Drei‑Wort‑Welt.
Manchmal sind es diese Bürohengste —
die zwischen 8 und 17 Uhr so tun, als wären sie wichtig,
mit ihrem „Ich hab gleich ein Meeting“ und „Ich muss noch was Dringendes erledigen“.
Und dann abends heim zu Mutti müssen.
Mutti, die ihnen das Essen warm macht.
Mutti, die ihre Hemden bügelt.
Mutti, die sie „Schatz“ nennt, obwohl sie längst erwachsene männliche Kinder sind.

Und diese Bürohengste wollen sich dann mal kurz als Mann fühlen.
Ganz kurz.
Drei Wörter lang.
Mehr schaffen sie nicht, bevor Mutti ruft:
„Essen ist fertig!“

Die „Ich bin so anders“-Frauen Ü30

Und dann gibt es da noch diese Frauen Ü30, die überall rumlaufen und sagen:

„Ich bin ganz anders als die anderen.“

Natürlich sind sie das.
Bis sie ein Kind bekommen.
Dann heißen sie plötzlich auch „Mutti“.
Ganz automatisch.
Wie ein Naturgesetz.

Diese Frauen glauben noch, dass sie das System durchschaut haben.
Dass sie niemals so werden wie „die anderen“.
Dass sie immer sexy bleiben, immer spontan, immer frei, immer unabhängig.

Sie tragen ihre Freiheit wie ein Accessoire.
Sie posten Latte‑Art‑Herzen auf Instagram.
Sie schreiben „Ich brauche keinen Mann“ —
und meinen eigentlich: „Ich warte nur auf den richtigen.“

Und sie haben noch keine Ahnung, dass sie bald:

  • Brotdosen packen
  • Kita‑Zettel unterschreiben
  • mit Augenringen einkaufen
  • und irgendwann „Mutti“ genannt werden

Von genau dem Mann, der sie heute noch „Süße“ nennt.

Die satirische Dating‑Szene

Und falls eine Frau Ü50 doch einmal wissen will, ob ein Mann wirklich frei ist, gibt es einen ganz einfachen Test.
Keinen echten, keinen gefährlichen — nur einen gedanklichen, literarischen, satirischen.

Man fragt ihn einfach, wo er wohnt.
Nicht viel.
Nur so ein bisschen Orientierung.

Ein freier Mann sagt:
„Klar, ich wohne da und da.“

Ein nicht so freier Mann sagt:
„Äh… warum willst du das wissen?“

Und der ganz besonders gebundene Mann —
der, der heimlich bei Mutti wohnt,
oder bei der Noch‑Frau,
oder bei der „Wir sind getrennt, aber wohnen noch zusammen“-Partnerin —
der antwortet gar nicht.

Der verschwindet.
Der löst sich auf wie ein WhatsApp‑Geist.
Der schreibt nie wieder „Hi. Wie geht’s.“
Nicht mal seine berühmten drei Wörter.

Denn nichts erschreckt einen Handy‑Wortkönig so sehr wie die Vorstellung,
dass eine echte Frau Ü50 plötzlich in der Nähe sein könnte.
Nicht mal vor der Tür — nur in der Nähe.

Da wird selbst der härteste Bürohengst ganz weich in den Knien.
Da ruft Mutti aus der Küche:
„Essen ist fertig!“
und er rennt, als ginge es um sein Leben.

Und dann… taucht die Frau wieder auf

Und irgendwo zwischen Windeln, Elternabenden, Teilzeitstellen, Partnerschaftsrettungsversuchen und dem Versuch, sich selbst nicht komplett zu verlieren, passiert etwas Seltsames:

Die Frau verschwindet.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Sie löst sich einfach auf, wie ein Duft, den man früher getragen hat und irgendwann nicht mehr bemerkt.

Und wenn sie dann mit Ü50 plötzlich wieder auftaucht, erschrecken sich alle — sie selbst eingeschlossen.

Die Rückkehr der echten Frau

Also… gibt es überhaupt Frauen mit Kindern?
Oder verschwinden sie irgendwo zwischen den Rollen, den Erwartungen und den Jahren?

Ich glaube nicht, dass sie verschwinden.
Ich glaube, sie tauchen irgendwann wieder auf.
Und wenn sie auftauchen, sind sie echte Frauen.
Nicht geschminkt, nicht dekoriert, nicht mit Statussymbolen behängt.
Sondern Frauen von innen.
Frauen, die sich wiedergefunden haben.
Frauen, die wissen, wer sie sind.
Frauen, die nicht mehr Mäuschen sind.
Und auch keine Elefanten.

Einfach:
Frau.

Dies ist wieder ein Text, der nicht auf alle zutrifft – aber eben die Richtigen finden wird. 😊