Bald ist Muttertag und ich möchte meine Gedanken dazu mit euch teilen.
Muttertag ist ein merkwürdiger Tag.
Für manche Frauen ist er warm, liebevoll, voller kleiner Gesten.
Für andere ist er ein Tag, der alte Wunden berührt.
Und beides ist wahr.
In meiner Generation haben viele Frauen erst spät – oft erst beim Psychologen – verstanden, dass die Mutter‑Tochter‑Verbindung nicht so war, wie sie hätte sein können.
Manche hatten keine echte Bindung.
Manche haben gelitten.
Manche haben sich klein gemacht, angepasst, getragen, geschwiegen.
Und dann wurden wir selbst Mütter.
Mit dem Wunsch, es besser zu machen.
Anders zu machen.
Heiler zu machen.
Wir wollten Liebe geben.
Viel Liebe.
Manchmal zu viel.
Manchmal so sehr, dass unsere Kinder Abstand brauchten.
Und wir haben ihnen diesen Abstand gelassen,
weil wir ihnen geben wollten,
was wir selbst nie hatten:
Freiheit. Selbstbestimmung. Raum.
Heute wird genau das von manchen unserer erwachsenen Kinder anders gesehen.
Es wird gesagt, wir seien „nicht da gewesen“.
Dass wir emotional gefehlt hätten.
Und wir bemerken, dass wir dieselben Muster weitergegeben haben,
unter denen wir selbst gelitten haben.
Und ja: für einige fühlt es sich so an.
Nicht für alle, aber für viele.
Und es tut weh, weil es den Eindruck erweckt,
wir hätten genau das wiederholt,
was wir eigentlich durchbrechen wollten.
Doch die Wahrheit ist:
Wir haben, ebenso wie unsere Mütter nach bestem Wissen gehandelt.
Mit dem Herzen, das wir hatten.
Mit der Geschichte, die wir trugen.
Mit der Sehnsucht, es anders zu machen –
auch wenn „anders“ nicht immer „heil“ bedeutet hat.
Und jetzt sind es schon die Enkel.
Denn bald wird im Kindergarten wieder für Muttertag gebastelt.
Wieder Rollen.
Wieder Erwartungen.
Wieder dieses alte System, das Frauen in Formen presst,
die viele von uns nie ausfüllen konnten.
Und vermutlich auch nicht mehr wollten.
Aber es gibt ja auch die andere Seite.
Frauen, die Muttertag lieben.
Die eine "gute" Mutter hatten.
Die selbst eine gute Bindung zu ihren Kindern erleben.
Die diesen Tag feiern, genießen, wertschätzen, eben mit ihren Kindern.
Auch das ist richtig.
Auch das ist wahr.
Muttertag ist kein Urteil.
Er ist ein Spiegel.
Und jede Frau sieht etwas anderes darin.
Ich selbst habe Muttertag am liebsten alleine genossen.
Ich habe es als "meinen Tag" gesehen.
Ich war meist unterwegs, als die Kinder klein waren. Draußen, frei, bei mir.
Vermutlich habe ich ihnen damit sogar ihr kindliches Wissen, um diesen Tag geraubt.
Denn ihnen wurde ja vermittelt, dass Muttertag bedeutet, der Mutter etwas zu schenken.
Nicht, weil ich meine Kinder nicht liebe.
Sondern weil ich an diesem Tag Frau sein wollte, nicht Rolle.
Und genau deshalb schreibe ich das hier:
Eine Mutter ist immer auch eine Frau.
Egal wie alt sie ist.
Egal wie ihre Geschichte aussieht.
Egal wie viele Rollen sie getragen hat.
Meine Bücher sind keine klassischen Muttertagsgeschenke.
Und doch vielleicht willkommen bei einer Mutter, an diesem Tag.
Sie sind vermutlich haltbarer und nachhaltiger als frische Blumen und Pralinen
(obwohl die das auch sein können )
Sie sind aber auf jeden Fall immer ein Frauengeschenk.
Für jede Frau – egal, wie sie diesen Tag empfindet.
Für die, die feiern.
Für die, die trauern.
Für die, die reflektieren.
Für die, die sich selbst zurückholen.
Muttertag ist ein Tag im Jahr, im Leben einer Mutter.
Wie ist dies bei euch?
Was macht ihr an Muttertag?
Wie werdet ihr den Tag planen?
Kommen euere Kinder, geht ihr zu eurer Mutter?
Schenkt ihr was?
Und wenn ja, was?
Ich freue mich wieder auf einen regen, spannenden Austausch zu diesem Thema...