Eine humorvolle Geschichte über Mustererkennung, Kantinenkonzepte und den Moment, in dem man merkt: Ich bin nicht für Anstellungen gemacht.
Es gibt Menschen, die können Dinge.
Und dann gibt es Menschen, die können Dinge, die sie eigentlich gar nicht können sollten.
Ich gehöre zur zweiten Kategorie.
Die Aushilfe, die zu viel sah
Offiziell war ich mal Aushilfe.
Fertiggerichte in den Backofen schieben.
Ein bisschen vorbereiten.
Ein bisschen helfen.
Inoffiziell war ich nach drei Wochen die Frau, die verstanden hatte,
wie das Unternehmen funktioniert.
Nicht, weil ich neugierig war.
Sondern weil mein Gehirn anscheinend ein eingebautes „Systemanalyse‑Modul“ hat,
das sich nicht abschalten lässt.
Andere hören Smalltalk.
Ich höre Prozessoptimierung.
Das Kantinenprojekt – oder: Wie man aus „Kannst du mal?“ ein 20‑seitiges Konzept macht
Eines Tages sollte ich „mal ein paar Ideen“ für eine Mitarbeiterkantine sammeln.
Ein paar Ideen.
Klingt harmlos.
Ich setzte mich am Wochenende hin —
und schrieb ein komplettes Konzept:
• drei Varianten
• Kosten
• Personalbedarf
• Ausstattung
• Abläufe
• Atmosphäre
• Mitarbeiterbindung
• und wahrscheinlich noch die Wettervorhersage für die nächsten fünf Jahre
Die Mitarbeiter waren begeistert.
Fast alle machten bei der Umfrage mit.
Ich dachte kurz, ich hätte aus Versehen eine Sekte gegründet.
Die Firma sagte:
„Kein Geld.“
Ich dachte:
„Okay. Dann eben nicht.“
Ich sag’s mal so:
Es lag nicht an der Kantine.
Die Zahlen – oder: Wie man aus Gesprächen Excel-Dateien liest
In einem anderen Job sprach ich mit meinem Vorgesetzten über Abläufe.
Nur Gespräche.
Nur Beobachtung.
Und plötzlich sah ich Muster in seinen Zahlen,
die er selbst nicht gesehen hatte.
Er war Chef.
Ich war Aushilfe.
Er schaute mich an, als hätte ich ihm gerade erklärt,
dass ich heimlich die NASA leite.
Ich konnte das nie „vorsichtig“.
Immer nur klar.
Immer nur direkt.
Mein Gehirn hat keinen „Soft-Modus“.
Es hat nur „Analyse läuft“.
Die Reaktionen – oder: Warum ich lieber selbstständig bin
Mit der Zeit merkte ich:
• Manche Kollegen mochten meine Klarheit.
• Andere bekamen Ausschlag davon.
• Manche Chefs fanden meine Analysen hilfreich.
• Andere fanden sie… sagen wir… überraschend.
Ich verstand irgendwann:
Ich bin nicht für klassische Anstellungen gemacht.
Nicht für Hierarchien.
Nicht für Strukturen, in denen man warten muss,
bis jemand anderes merkt, was man längst sieht.
Ich bin für Räume gemacht, die ich selbst baue.
Für Systeme, die ich selbst gestalte.
Für Worte, die ich selbst setze.
Die Erkenntnis
Ich habe lange versucht, mich kleiner zu machen.
Sanfter.
Leiser.
Unauffälliger.
Bis ich begriff:
Ich bin nicht zu viel.
Ich bin nur am falschen Ort zu viel.
Heute bin ich am richtigen Ort.
In meinen Büchern.
In meinen Räumen.
In meiner Identität.
Ich bin FRAU A.
Und FRAU A. schiebt nix mehr in den Backofen.
Ich baue lieber Welten.