„Wenn du dich ertappt fühlst: Willkommen im Club.

Wir treffen uns an der Wahrheitstheke.“ (Ich habe diesen Text an Karneval geschreiben 🤡)

Die Angst, jemanden zu enttäuschen – oder: Wie man sich jahrzehntelang selbst verarscht

Es gibt so einen Moment im Leben, da sitzt man da noch nicht an dieser Wahrheitstheke, trinkt sein Kölsch, schaut in die Gegend und denkt:

„Ach du heilige Scheiße.

Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, niemanden zu enttäuschen.“ Und schüttet das Cocktailglas mit Konfetti über sich...

Man hat Rücksicht genommen, Erwartungen erfüllt, sich selbst klein gefaltet wie ein schlecht gebügeltes T‑Shirt, nur damit andere sich nicht unwohl fühlen.

Und man selbst?

Unwohl wie ein Kaktus im BH. (Da kenne ich mich gut mit aus...)

Aber gut.

Man war ja „lieb“.

„Anständig“.

„Rücksichtsvoll“.

Kurz:

Ein emotionaler Vollkasko‑Versicherer für alle außer sich selbst.

Und dann passiert’s: Die innere Revolution

Plötzlich merkt man:

• Man wächst.

• Man wird klarer.

• Man wird ehrlicher.

• Man wird frei.

Und die alte Kopfstimme, die seit 1978 unbefristet im Oberstübchen wohnt, ruft panisch:

„Das kannst du nicht bringen! Was denken die anderen!“

Die neue Stimme – frisch, frech, unkündbar – sagt:

„Schätzchen.

Wir bringen das jetzt.“

Und irgendwo dazwischen zittert man.

Nicht vor Angst.

Sondern weil man merkt:

„Verdammt. Ich bin gerade dabei, mich selbst zu wählen.“

Die alte Angst – ein Fossil mit guter Presseabteilung

Diese Angst ist nicht neu.

Die hat schon Staub angesetzt.

Man hat gelernt:

• Sei brav.

• Sei leise.

• Sei nicht anstrengend.

• Sei nicht egoistisch.

• Sei nicht du selbst, wenn’s jemandem nicht passt.

Kurz:

Sei ein emotionaler Servierwagen.

Hat funktioniert.

Hat getragen.

Hat aber auch geschrumpft.

Vor allem dich.

Die Wahrheit: Du hast nie Angst gehabt, jemanden zu enttäuschen.

Du hattest Angst, dich selbst zu wählen.

Denn „jemanden enttäuschen“ heißt oft:

• Ich darf nicht frei entscheiden.

• Ich darf nicht glücklich sein, wenn andere es nicht verstehen.

• Ich darf nicht einfach gehen.

• Ich darf nicht ich sein.

Und dann kommt diese neue Version von dir, die keinen Bock mehr auf Selbstverkleinerung hat, und sagt:

„Doch. Genau das darfst du.“

Und plötzlich zittert der Körper wie ein alter Kühlschrank.

Nicht weil etwas falsch ist.

Sondern weil etwas endlich richtig wird.

Die Wahrheit über Enttäuschung

Du enttäuschst niemanden, wenn du dich selbst wählst.

Du enttäuschst nur die Erwartungen derer, die dich klein halten.

Und Erwartungen sind:

• kein Gesetz

• keine moralische Verpflichtung

• kein Vertrag

• und schon gar nicht dein Lebensauftrag

Die neue Version ist nicht rücksichtslos – sie ist echt

Sie ist:

• klar

• wach

• ehrlich

• frei

• souverän

• unbestechlich

Und ja, sie wirkt ungewohnt, so dass es manchmal ein zittern in dir auslöst.

Weil du sie so lange im Keller eingesperrt hast, zwischen alten Weihnachtskugeln und

„Vielleicht irgendwann“-Träumen.

Das Zittern ist kein Warnsignal – es ist ein Neustart

Zittern heißt:

• alte Loyalitäten lösen sich

• das Nervensystem entlädt jahrzehntelange Pflichten

• Muster überschreiben sich

• Freiheit wird plötzlich erlaubt

Zittern ist kein „Oh Gott“.

Zittern ist ein „Endlich.“

Und dann kommt der Moment der Wahrheit

Der Moment, in dem ein Mensch merkt:

„Ich bin nicht mehr die Person, die sich klein macht, um niemanden zu enttäuschen.

Ich bin die Person, die sagt:

Ich darf ein Leben wählen, das mich nährt.“

Und genau das berührt so tief.

Weil man spürt:

• dass man wächst

• dass man frei wird

• dass man sich selbst findet

• dass es kein Zurück mehr gibt

Das ist nicht Angst.

Das ist Wahrheit.

Und Humor ist die beste Art, sie zu feiern.

Und weil jetzt die humorvollen Tage im Kalender stehen…

…wünsche ich einigen von euch von Herzen

Lasst eure Masken zu Hause.

Die echten, nicht die aus dem Kostümshop.

Sperrt die Angst in den Gefrierschrank —

neben die Erbsen, die seit 2019 keiner mehr essen wollte.

Und dann feiert.

Nicht irgendwas.

Euch.

Feiert eure neue Version.

Die, die sich nicht mehr klein macht, nur damit andere sich groß fühlen.

Die, die nicht mehr brav nickt, wenn sie eigentlich „Leck mich am Zepter“ denkt.

Die, die nicht mehr fragt: „Was denken die anderen?“

sondern:

„Warum denke ich überhaupt noch über die anderen nach?“

Feiert mit Konfetti, das überall klebt,

mit Kamelle, die keiner fängt,

und mit einem dreimal überzeugten,

selbstbewussten,

grenzenlos ehrlichen:

Alaaf.

Und falls jemand fragt, warum ihr so strahlt:

Sagt einfach:

„Ich hab die Angst heute nicht mitgenommen.

Die hat Hausverbot.“

Und falls du dich immer noch fragst, wo diese Wahrheitstheke eigentlich steht:

Nicht in Köln, nicht in Düsseldorf, nicht im Internet.

Sie steht genau dort, wo du endlich aufhörst, dich klein zu machen.

Sie hat ein großes Schild über der Tür:

„Hier gibt’s keine Masken.

Nur Mut.“

Bei Fragen schreib mir gerne an : post@frauaschreibt.de