Dies schreibe ich für meine Serie "Ein Westerwald Roman – Das Lebenshaus",
das am 1. Mai offiziell seine Eröffnung feiert, und dies nun mal diese Woche ist,
möchte ich euch mitnehmen – dorthin, wo alles beginnt.
Dorthin, wo Lene Falk am Rand des Podests steht, gesammelt, nicht aufgeregt,
wie jemand, die weiß, dass Anfänge nicht laut sein müssen.
„Ich begrüße Sie alle“, sagt sie,
„den Bürgermeister, die Mitglieder des Gemeinderats, unseren Landtagsabgeordneten, den Bankdirektor, die Musiker – und natürlich alle Menschen aus dem Dorf.“
Sie spricht von den Bewohnern, vom Rhythmus, den sie gefunden haben,
vom Plancha‑Grillen, das die Feuerwehr abgesichert hat,
vom ersten offiziellen Brunch im Café,
der künftig an jedem Samstag, Sonntag und Feiertag von 7 bis 17 Uhr stattfinden soll.
„Heute startet der Probelauf“, sagt sie.
„Ihr seid die Testesser.“
Frank Rosin lässt sich entschuldigen.
Natürlich.
Und während Lene spricht, sitze ich hier am Schreibtisch, trinke meinen Kaffee und merke,
wie sich etwas verändert hat.
Nicht nur da draußen.
Sondern auch in mir.
Ich bin in einem Alter, in dem man plötzlich anfängt hinzuschauen.
Nicht theoretisch.
Nicht irgendwann.
Sondern jetzt.
Wie komme ich eigentlich zurecht, wenn ich kein Geld mehr verdienen kann?
Wie soll das gehen, wenn der Körper wackelt und das Konto gleich mit?
Und warum reden wir darüber so wenig?
Das Rentenniveau ist auf 48 % gefallen.
Die Kosten fürs Leben sind explodiert.
Und ganz ehrlich:
Das funktioniert so nicht.
Nicht im echten Leben.
Ich merke das ja selbst.
Durch diese Aussteuerung.
Durch meinen Körper, der nicht mehr macht, was er soll.
Durch dieses Gefühl, dass nicht nur ich wackelig bin, sondern das ganze finanzielle Drumherum.
Und dann ist da diese stille Einsamkeit, die entsteht, wenn man keine Mehrgenerationen mehr lebt.
Wenn jeder für sich kämpft.
Wenn man sich angewöhnt hat, alles allein zu tragen, weil man niemandem zur Last fallen will.
Die Idee vom Lebenshaus ist entstanden, als vor einigen Jahren jemand aus der Familie plötzlich betroffen war.
Als wir – die Jungen, die „Vernünftigen“ – dachten, wir müssten Entscheidungen für diesen treffen.
Weil wir glaubten, zu wissen, was gut für jemanden älteren ist.
Wir lagen so falsch.
Und ich habe das nicht vergessen.
Es kommt gerade wieder alles hoch.
Vielleicht schreibe ich deshalb.
Vielleicht erzähle ich deshalb diese Geschichten.
Vielleicht ist das Lebenshaus deshalb mehr als ein Roman.
Vielleicht ist es mein Versuch, eine Antwort zu finden auf eine Frage, die ich mir selbst stelle:
Wie will ich leben, wenn ich alt bin – und wie soll das gehen, wenn ich es selbst entscheiden könnte, wenn dann die Zahlen nicht stimmen?
Und dann sitze ich hier und weiß, dass Buch 1 zwischendurch auf Platz 3 bei Amazon war.
Und die beiden Bücher sind nicht einfach Geschichten.
Es geht um Menschen.
Um echte Leben.
Um die Frage, wie wir alt werden wollen, ohne dabei zu verschwinden.
Buch 2– Blackout im Westerwald, macht das Ganze nur noch deutlicher.
Und schon während ich dies schrieb, wurde mir klar:
Das Lebenshaus ist kein Roman.
Es ist ein Aufstand.
Ein stiller.
Ein menschlicher.
Ein notwendiger.
Vielleicht habe ich das alles in die Welt gebracht, weil ich selbst spüre, wie fragil das Leben ist.
Wie schnell man aus dem System fällt.
Wie wenig Sicherheit bleibt, wenn der Körper nicht mehr mitspielt. Ob durch Krankheit oder eben einfach durchs älter werden.
Wie dünn das Eis ist, auf dem wir alle stehen.
Und vielleicht schreibe ich das heute, weil eben am 1. Mai die Eröffnungsfeier im Lebenshaus stattfindet.
Dies ist der Beginn von Buch 2.
Und dort geschieht etwas, das zeigt, was so ein Haus sein könnte – oder sein würde.
Ein Haus mit Leben, in einem Dorf im Westerwald.
Ein Ort, an dem Menschen in einem Blackout zusammenhalten.
Ein Ort, an dem Erfahrung zählt.
Ein Ort, an dem man über Windkraft spricht, nicht als Schlagwort, sondern als Realität.
Vielleicht ist das nur eine Idee.
Vielleicht aber auch eine Haltung.
Eine, die sagt:
„Hören wir doch auf, Menschen im Alter unsichtbar zu machen.“
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum ich das alles geschrieben habe:
Weil ich nicht glauben wollte, dass wir im Alter nur noch verwaltet werden.
Weil ich weiß, dass wir mehr verdienen.
Weil ich weiß, dass wir mehr können.
Und weil ich weiß, dass wir nicht allein sein müssen.