Gestern war es so ruhig auf der Straße, dass ich kurz dachte, es wäre schon Karfreitag.
Denn da ist es immer so.
Der einzige Tag im Jahr, an dem mir diese Stille seit meinem Einzug an der Hauptstraße, vor fast 40 Jahren immer auffällt.
Normalerweise rauschen hier Sonn- und Feiertags die Autos zwischen Westerwald und Rhein wie ein Wanderzirkus im Pendelbetrieb.
Und gestern? Ganz wenig. Eigentlich gar nichts.
Man hätte mitten auf der Hauptstraße ein Picknick machen können.
Und heute Morgen?
Montag.
Der Tag, an dem sonst alles unterwegs ist.
Und trotzdem: wieder ungewöhnlich still.
Wenn sogar ein Montagmorgen leise wird, dann ist das kein Zufall mehr.
Und ganz ehrlich:
Wenn es so still wird, liegt das nicht an plötzlicher Erleuchtung, sondern daran, dass der Spritpreis inzwischen ein eigenes Hobby ist.
Die Leute überlegen sich inzwischen dreimal, ob sie wirklich losfahren – oder ob der Ausflug zum Rhein oder in den Westerwald nicht doch eher ein Luxuswochenende auf den Malediven ersetzt.
Ich verstehe einfach nicht, wie man ständig von „mehr arbeiten, mehr leisten, mehr erwirtschaften“ reden kann, während gleichzeitig die Rahmenbedingungen so gestaltet sind, dass man schon froh sein kann, wenn man überhaupt noch bis zur Arbeit kommt.
Mobilität ist kein Wellnessprogramm.
Wenn der Tank zur finanziellen Mutprobe wird, dann stimmt etwas nicht.
Und das ist kein politischer Kommentar.
Das ist reine Alltagserfahrung.
Wenn Menschen nicht mehr fahren, fahren sie nicht. Punkt.
Und wenn Unternehmen ihre Fahrzeuge nicht mehr betanken können, dann fährt eben auch da nichts mehr.
Lieferketten, Gastronomie, Ausflugsorte, kleine Betriebe – sie hängen alle an diesem einen Tropfen Benzin.
Ich frage mich nur:
Warum erkennt man nicht, dass hohe Preise nicht nur Zahlen sind, sondern Lebensrealität.
Für Menschen. Für Unternehmen. Für ganze Regionen.
Die Zeichen sind doch vorher schon da.