Heute ist es mal wieder etwas länger geworden.

Angefangen hat alles damit, dass mir aufgefallen ist, wie still es plötzlich in den Gärten geworden ist …


Mir ist aufgefallen, dass in diesem Jahr nicht nur Menschen Sommerferien haben.

Auch die Rasenmäher.

Und ausgerechnet mir fällt das auf.

Denn wie oft war ich in den vergangenen Jahren genervt von diesen Dingern?

Kaum hatte irgendwo jemand beschlossen, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, sich mit einer Tasse Kaffee nach draußen zu setzen, war garantiert drei Gärten weiter einer der Meinung:

Rasen mähen! Jetzt!

Gefühlt wurden die Dinger zu jeder Tageszeit angeworfen.

Kaum war einer fertig, fing der nächste an.

Und jetzt?

Ruhe.

Es ist erstaunlich still in den Gärten. Nicht, weil plötzlich alle beschlossen hätten, der Natur freien Lauf zu lassen.

Es wächst schlicht nichts, was man mähen könnte.

Was nicht gegossen wird, vertrocknet.

Auf dem Boden liegen trockene Blätter, wie ich sie sonst erst aus dem Herbst kenne. Selbst an großen, alten Bäumen entdecke ich immer mehr braune Blätter.

Sie haben Durst.

Aber sind wir ehrlich: Wer gießt schon einen uralten, riesigen Baum in seinem Garten?

Die Blumen, ja. Die Tomaten sowieso. Den frisch gepflanzten Strauch vielleicht auch noch.

Aber einen Baum?

Der war doch immer einfach da.

Und während die Rasenmäher ihre unfreiwilligen Sommerferien genießen, ahne ich schon, wer vermutlich bald aus dem Geräteschuppen geholt wird:

Der Laubsauger.

Eigentlich müsste der noch ein bisschen warten.

Aber wenn ich mir anschaue, was jetzt schon alles trocken und braun von den Bäumen fällt, könnte die diesjährige Saison wohl etwas früher beginnen.

Dann ist es wenigstens vorbei mit der Ruhe.

Ich hatte schon Angst, ich müsste mich daran gewöhnen.

Wir wollten doch Sonne

Gleichzeitig frage ich mich, wie viel eigentlich hinter dieser Hitze steckt, die wir gerade alle nicht so richtig mögen.

Dabei haben wir in den vergangenen Jahren teilweise ziemlich viel Geld dafür bezahlt.

Flug gebucht. Hotel bezahlt. Koffer gepackt.

Ab in den Süden.

Hauptsache Sonne. Hauptsache warm. Und wehe, im Jahresurlaub hat es drei Tage geregnet.

Jetzt haben wir die Hitze quasi kostenlos vor der Haustür.

Und plötzlich ist sie gar nicht mehr so toll.

Ich sitze in meiner Dachgeschosswohnung und schaue aus dem Fenster auf die große Wiese, auf der in meinen Gedanken längst mein Lebenshaus steht.

Nur wächst dort gerade kaum etwas.

Vor einigen Wochen war der erste Schnitt. Eigentlich müsste die Wiese sich längst wieder deutlich erholt haben.

In den vergangenen Tagen gab es zwar immer wieder Regen. Manchmal sogar ziemlich heftig.

Nur: Sehr lange dauerte er nie.

Und während ich auf diese Wiese schaue, beginnt mein Kopf zu rechnen.

Gibt es dieses Jahr überhaupt einen vernünftigen zweiten Schnitt?

Und wenn nicht?

Was bedeutet das für die Bauern? Für Pferdehalter?

Reicht das Futter?

Wird Heu irgendwann richtig teuer?

Und schon bin ich beim nächsten Feld.

Vom Wetter zum Brot

Vor ein paar Tagen erzählte mir ein Landwirt, den ich kenne, vom Weizen, der eigentlich vom Feld müsste.

Die Feuchtigkeit liegt bei 18 Prozent.

Runter müsste sie auf etwa 8 Prozent.

Und dann kommt wieder einer dieser kurzen Regengüsse.

Der ausgetrockneten Natur bringt er kaum etwas. Aber der Weizen bekommt wieder Feuchtigkeit ab.

Und wenn aus dem kurzen Regen ein heftiger Starkregen wird, kann er zusätzlich plattgedrückt werden.

Also wartet man auf den richtigen Moment.

Trocken genug zum Ernten – aber bitte ohne den nächsten Regenguss dazwischen.

Und mein Kopf wandert weiter.

Zum Brot.

Wird das auch wieder teurer?

Ich erinnere mich noch an früher.

Als Kind habe ich erlebt, dass Brot – besonders Schwarz- und Vollkornbrot in seiner Papierverpackung – manchmal unglaublich schnell schimmelte.

Damals kannte man diese Feuchtigkeitsmessungen noch nicht so, wie man sie heute kennt. Es wurde eben auch einmal zu früh oder zu feucht geerntet.

Heute wird gemessen, geprüft und gerechnet.

Das Wetter lässt sich davon allerdings nicht beeindrucken.

Es gab doch schon immer heiße Sommer

Natürlich gab es früher heiße Sommer.

Ich bin 60 Jahre alt.

Ich kenne noch Hitzefrei.

Dieses wunderbare Wort aus der Schulzeit, bei dem wahrscheinlich jede Schülerin und jeder Schüler innerhalb von Sekunden wieder putzmunter war.

Ich kenne aber auch die andere Seite.

Diese Nächte, in denen die Wohnung die Wärme einfach nicht mehr hergeben will.

Und einen herzlichen Gruß an dieser Stelle an alle Menschen in Dachgeschosswohnungen.

Ich bin eine von euch.

Irgendwann ist nicht mehr nur draußen alles auf Sparflamme.

Der eigene Körper und der Kopf machen gleich mit.

Und trotzdem hört man immer wieder:

Das gab es früher auch.

Ja.

Gab es.

Aber vielleicht darf man trotzdem einmal aus dem Fenster schauen und sich fragen, was gerade alles gleichzeitig passiert.

Und dann ist da noch der Rhein

Ich wohne in der Nähe des Rheins.

Was dort gerade passiert, ist für mich deshalb keine Meldung irgendwo aus den Nachrichten.

Die Fähranleger werden derzeit auf beiden Seiten ausgebaggert.

Die Frachtschiffe, die aus Richtung Holland zu uns kommen, haben teilweise nur noch ungefähr 28 Zentimeter Wasser unter dem Kiel.

Die Schiffe können zum Teil nur noch etwa halb beladen fahren.

Und irgendwann geht es dann nicht mehr nur darum, dass der Transport ein bisschen schwieriger wird.

Über den Rhein kommen Waren zu uns.

Fehlen die Transportkapazitäten auf dem Wasser, müssen andere sie übernehmen.

Zum Beispiel Lastwagen.

Nur stehen auch nicht irgendwo unbegrenzt Tank- und Lastwagen herum und warten darauf, dass der Rhein kein Wasser mehr hat.

Und fahren müssen sie ebenfalls.

Nicht mit Luft und Liebe.

Spätestens an dieser Stelle lande ich wieder bei den Preisen.

Erst wird es teuer.

Und wenn Transportwege und Kapazitäten immer knapper werden, kann aus „teuer“ irgendwann auch die Frage werden, ob bestimmte Dinge überhaupt noch in den Mengen bei uns ankommen, die wir gewohnt sind.

Vor ein paar Tagen habe ich aus Spaß auf Facebook geschrieben:

„Wäre es nicht langsam Zeit für 1.000-Euro-Scheine?

Bargeldzahlung soll schließlich erhalten bleiben.“

Ganze drei Menschen haben den Beitrag geliked.

Ich unterstelle jetzt einfach einmal, dass wenigstens diese drei verstanden haben, worauf ich hinauswollte.

Vielleicht war es aber auch einfach zu heiß zum Denken.

Eigentlich sollte das hier gar nicht politisch werden

Und dann lande ich bei der Politik.

Mist.

Eigentlich sollte dieser Text überhaupt nicht politisch werden.

Aber wie so oft im Leben lässt sich irgendwann nicht mehr alles fein säuberlich voneinander trennen.

Wetter beeinflusst Ernten.

Ernten beeinflussen Preise.

Wasserstände beeinflussen Transporte.

Energiepreise beeinflussen Transporte ebenfalls.

Und all das landet irgendwann bei uns.

Im Supermarkt.

An der Tankstelle.

Auf der Wasserrechnung.

Währenddessen ist Sommerpause.

Vielleicht brauchen auch Regierungen Hitzefrei.

Keine Ahnung.

Ich stelle mir jedenfalls vor, dass dort die Klimaanlagen funktionieren und niemand morgens besorgt auf den Wasserzähler schaut, bevor der Garten gesprengt wird.

Das ist natürlich ein bisschen böse.

Aber Hitze macht mich offenbar nicht diplomatischer.

Es ist ja immer irgendwie gut gegangen

Vielleicht ist es genau dieser Satz, der mich beschäftigt:

Es ist ja immer irgendwie gut gegangen.

Die Bäume standen im nächsten Jahr noch.

Das Gras wuchs wieder.

Der Rhein bekam wieder Wasser.

Der Weizen wurde geerntet.

Und irgendwann wurde es Herbst.

Vermutlich – nein, sogar garantiert – wird es auch diesmal wieder so sein.

Aber während ich aus meinem Dachfenster schaue, liegen dort vertrocknete Blätter unter Bäumen, obwohl noch Sommer ist.

Auf der Wiese wächst kaum Gras.

Die Rasenmäher haben Ferien.

Und vermutlich stehen die Laubsauger schon mit den Hufen scharrend im Geräteschuppen.

Und ich frage mich:

„Und wie sieht es bei euch vor der Haustür aus? Ist es dort auch schon so trocken – und lebt euer Rasenmäher überhaupt noch? “

Schreibt mir gerne etwas in mein Gästebuch.


Eure verschmitzte FRAU A. …

ups, verschwitzte. 😂🥵